Maurer, Beton, Fugen

Das neuerbaute Haus leuchtet frischverputzt weithin. Zartes Gelb hebt sich von den sattgrünen Feldern im Hintergrund ab. Erleichtert schauen sich die Hausbesitzer um. Maurer sorgten für gerade Wände, schafften gute Qualität. Der Bauherr ist stolz, die richtigen Maurer für den Traum vom Eigenheim gefunden zu haben. Regelmäßig schaute er auf der Baustelle vorbei, vergewisserte sich über den ordnungsgemäßen Ablauf der Arbeiten. Termine drückten im Nacken. Andere Gewerke wollten pünktlich beginnen. Der Bauherr beobachtete intensiv die Arbeitsweise der Maurer, versuchte sich handwerkliches Geschick abzuschauen. Das Haus steht, jedoch rundherum das Brachland fordert Gestaltungsideen.

Zaun, Mauer, Hecke, da beginnen in der Familie heiße Diskussionen. Kaninchen und Rehe lauern bereits in sicherem Abstand, wann für sie in diesem Garten endlich die Erntezeit beginnt. Gegen ungebetene Gäste hilft eine feste Einfriedung. Eine Zaun-Idee wird schnell verworfen. Der besondere Hausstandort am Feldrain verlangt eine passende Lösung. Vielleicht sollte ein Maurer für alle Zeiten Stein auf Stein errichten und die Fugen der Mauer grau oder weiß füllen. Zweifelnd werden die Köpfe geschüttelt. Das passt nicht zu dieser Landschaft.

Selbst ist der Mann

Eine Idee wird geboren, die jedoch viel Zeit fordert. Es muss ohne Maurer gehen. Der Hausherr wird selber zum Maurer. Schnell noch ein Fachbuch holen. Beton mischen oder Blitzbeton kaufen – das erregte bereits alle Gemüter. Die Ehefrau überschlägt die Finanzen und streicht sofort den teuren Blitzbeton. Im Freundeskreis werden neben einem Betonmischer noch fleißige Helfer entdeckt. Nun muss die Materialbeschaffung forciert werden.
Eine Natursteinmauer soll diesem Haus einen würdigen Rahmen verpassen, der sich hervorragend in die Natur einpasst. Große, kleine, bunte und graue Steine, alles wird gesammelt und von Abrissen organisiert. Jeder muss seinen Beitrag leisten. Die Kinder stromern suchend über frischgepflügte Felder. Mama muss bei der Heimfahrt alle Feldränder inspizieren. Papa studiert Fachbücher, die kaum ein Maurer kennt.

Mit Beton wird ein Fundament gegossen. Die verschiedenen Steine werden eingepasst und am Ende alles verfugt. Irgendwann ist das Werk vollbracht. Die stabile Natursteinmauer lässt alle Kaninchen und Rehe wütend zum unerreichbaren Gartenparadies blicken. Unregelmäßige Fugen betonen den Naturcharakter. Alle sind richtig stolz auf das Geschaffte. Bei der abendlichen Runde durch den Garten streichelt der Hausherr stolz so manchen Stein.

 
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